Abstracts
10:15 II Autismus-Spektrum-Störung im Kindes- und Jugendalter: „Ungesehen und Unverstanden: Was so anders und besonders ist bei Mädchen und jungen Frauen mit ASS“
Dr. Dipl.-Psych. Dagmar Evers
Diagnosen und Einschätzungen zu ASS orientieren sich an den bekannten Symptomen und dem klassischen Bild von Jungen und Männern mit ASS. Es zeigt sich aber, dass diese Beschreibungen und Maßstäbe zumeist nicht auf Mädchen und Frauen zutreffen und diese durch die klassischen Kriterien aber oft verkannt werden. Eine kritische Betrachtung und ein Umdenken sind hier von Nöten, um Betroffenen gerechter zu werden und ihnen auch hilfreiche Unterstützung und Maßnahmen anbieten zu können.
Ein beschreibender Überblick über Symptombereiche bei weiblichem ASS, gefolgt von einer entsprechenden Lesung einer Betroffenen.
11:15 II Autismus als Kommunikationsstörung
Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley
Eine wichtige Hypothese zur Erklärung psychischer Störungen nimmt an, dass psychische Störungen als Störungen der Kommunikation zu verstehen sind, so dass die fundamentale Einheit der Analyse nicht die einzelne Person, sondern vielmehr die Dyade ist. Diese Hypothese kann besonders an der Autismus-Spektrum-Störung deutlich gemacht werden. Diese Hypothese hat Erklärungspotential nicht nur hinsichtlich der Diagnose, sondern auch im Hinblick auf die Versorgung von Personen mit Autismus-Spektrum-Störung. Schließlich werden auch wissenschaftliche Zugänge zur Erforschung von Kommunikation in Dyaden vorgestellt.
13:00 II Leben mit Autismus - Eine Ermutigung
Dr. Christine Preißmann
Wie stellt sich die Lebenssituation betroffener Menschen dar? Frau Preißmann berichtet im Vortrag aus der doppelten Perspektive als Therapeutin und Betroffene, über Schwierigkeiten und Ressourcen, vor allem aber über zahlreiche mögliche Hilfen therapeutischer und sonstiger Art.
13:45 II Genetische Grundlagen der Autismus-Spektrum-Störung
PD Dr. Franziska Degenhardt
Ihr Vortrag behandelt Aspekte der genetischen Grundlagenforschung, genetische Grundlagen der Autismus-Spektrum-Störung, und deren Nutzen für Betroffene. Dabei wird sie auch ihre Erfahrungen aus der praktischen Beratung in der psychiatrisch-genetischen Sprechstunde am LVR-Klinikum Essen einbringen.
15:30 II Psychische Erkrankungen als Störungen der sozialen Interaktion: Eine transdiagnostische Perspektive – Erfahrungen in der Ambulanz am LVR-Klinikum Düsseldorf
Prof. Dr. Leonhard Schilbach
Psychische Erkrankungen sind ihrem Wesen nach Störungen der sozialen Interaktion. Sie können die soziale Interaktionsfähigkeit einschränken, aber psychosoziale Belastungen im Rahmen von sozialen Interaktion können sich auch als Risikofaktor auf die Entwicklung von psychischen Erkrankungen auswirken. Andererseits ist die soziale Integration ein wichtiger Resilienz- und Schutzfaktor, der zur psychischen Gesundheit und Genesung beiträgt. Deshalb hat eine „Ambulanz für Störungen der sozialen Interaktion“ das Ziel, soziale Interaktionsprobleme als medizinischen Bedarf zu betrachten und im Sinne der psychiatrischen Differentialdiagnostik abzuklären. Hierbei werden neben Autismus, auch Depressionen, Angst-, Zwangs- und Persönlichkeitsstörungen, aber auch psychotische Störungen festgestellt. Die „Ambulanz für Störungen der sozialen Interaktion“ am LVR-Klinikum Düsseldorf bietet außerdem eine ambulant-psychiatrische Behandlung an, sowie ein gruppentherapeutisches Angebot, in dem es um die Stärkung von sozial-interaktionellen Fähigkeiten geht.