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Themenblock 1: Psychisch erkrankt heute – was bedeutet das?

Psychisch erkrankt heute – die Sicht der Betroffenen

Ruth Fricke, Herford

Mit dem mir zugedachten Referatstitel habe ich mehrere Probleme. 1. habe ich Probleme mit der Bezeichnung „psychisch krank“ weil, dies suggeriert „einmal psychisch krank, immer psychisch krank“. Dies ist zum einen diskriminierend hat aber auch Einfluss auf die Behandlung sowohl als Mensch als auch aus medizinischer Sicht. Wer als Mediziner diese Einstellung hat, wird im Ergebnis auch chronisch Kranke Patienten produzieren.

2. denke ich, es geht eigentlich um das Thema „Psychiatrie heute“. Aber auch hier fragt sich womit wir eigentlich vergleichen wollen. Geht es um den Vergleich vor und nach der Psychiatrie-Enquete, oder um den Vergleich vor und nach der Ratifizierung der UN-BRK und der Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs?

Außerdem ist die Frage, geht es um ganz Deutschland oder nur um NRW? Selbst wenn es nur um NRW geht, kann ich sagen, dass es von Kreis zu Kreis höchst unterschiedlich ist.

Fest steht, dass die Anforderungen der UN-BRK nicht erfüllt sind. Dies geht aus der Staatenberichtsprüfung in Genf eindeutig hervor.

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Psychisch erkrankt heute – die Sicht der Angehörigen

Gudrun Schliebener, Bonn

Die Geschichte in der Psychiatrie nach 1975 hat sich in Bezug auf Angehörigenarbeit verändert und ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Die Zustände in der Psychiatrie haben sich zum Positiven verändert. Wo man früher auf eine fehlende Einbeziehung von Angehörigen in die Behandlung und Schuldzuweisungen an Angehörige gestoßen ist, wird jetzt durch einen Dialog und/oder Trialog eine Kommunikation mit Fachpersonal und Betroffenen möglich. Allerdings gibt es heute noch Fachexperten die Angehörigen negativ gegenüberstehen, so dass ein Gespräch nicht auf Augenhöhe stattfinden kann. Dies ist aber ein großer Wunsch von Angehörigen. Es geht um einen Austausch, von den alle Seiten profitieren können. Negativ zu bewerten sind:

  • Die Verständnislosigkeit bei Profis für die Angehörigen
  • Das „Vorschieben“ der ärztlichen Schweigepflicht
  • Eine weitgehende personenzentrierte Behandlung
  • Die vielen mangelnden ambulanten Nachsorgeangebote an Kliniken. Hier fehlt es ebenfalls an Kliniken wie auch im ambulanten Bereich an der Einbeziehung der Angehörigen.
  • Die Psychoedukation für Angehörige ist bei weitem nicht überall verfügbar
  • Die Schuldzuweisungen und Stigmatisierung sind immer noch nicht überwunden

Angehörige haben die größte Last durch den psychisch erkrankten Betroffenen zu tragen. Die psychische Erkrankung betrifft das soziale Umfeld, teilweise erkranken Angehörige durch den Dauerstress des Betroffenen selbst. Dies führt zu langfristigen Problematiken unter anderem: Gefährdung der Partnerschaft, Versorgung des Kindes nach Ableben, Schwierigkeiten im Arbeitsleben etc.). Es stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Angehörigen. Zusätzliche Problematiken ergeben sich durch die Stigmatisierungen. Stigmatisierung erschwert dementsprechend die Kommunikation mit Dritten über die psychische Erkrankung, so dass es zu sozialen Vereinsamung kommen kann.

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