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Workshop 3.3 Psychisch erkrankt heute – die Sicht der Medien

Die Darstellung psychischer Erkrankungen in den Medien – die Sicht der Betroffenen

Ruth Fricke, Herford

Was die Darstellung von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen in den Medien betrifft, ist festzustellen, dass die Darstellung sich in den Printmedien in den letzten Jahren sehr verbessert hat. Die trifft insbesondere auf die überregionalen Tageszeitungen, als auch auf Magazine wie Spiegel, Stern, Focus zu, bei der Regenbogenpresse habe ich bisher keine Veränderung festgestellt, das kann aber auch daran liegen, dass ich diese nur beim Friseur lese, also nicht regelmäßig.

Was Film und Fernsehen betrifft, kann ich feststellen, dass in den Fernsehserien der öffentlich Rechtlichen eine halbwegs realistische Darstellung eingekehrt ist. Aber auch dort dominiert die professionelle Sicht. Auch hier wird immer noch dargestellt, dass Betroffene sich Ihrer Erkrankung schämen und ganze Familien erpresst werden, damit die Diagnose des betroffenen Angehörigen nicht ans Licht kommt. Das ist zwar Realität, aber kein Weg zur Problemlösung.

Bei den privaten Sendern ist das etwas schwieriger. Hier stelle ich bei den Gerichtssendungen immer wieder fest, dass der Maßregelvollzug als positive Alternative zu einer Gefängnisstrafe dargestellt wird und den Betroffenen daher Unzurechnungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat nahegelegt wird.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Menschen mit psychiatrischen Diagnosen als eine Gefahr für die Gesellschaft dargestellt werden.

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Schulung und Aufklärung – Zusammenarbeit mit Medienvertretern im Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Düsseldorf

Stereotype Kategorisierungen – „Schubladen“ – und Klischees sind in den Medien ein Versuch, die vielfältige Wirklichkeit zu vereinfachen, um sie „griffiger“ aufbereiten und leichter vermitteln zu können. Beim Thema psychischer Erkrankungen kann dies sehr direkte und oft sicher ungewollte negative Folgen haben. Eine stigmatisierende mediale Darstellung der Betroffenen aus Unwissenheit, mangelnder Zeit oder zur Befriedigung der Sensationslust des Publikums trägt maßgeblich zur Aufrechterhaltung diskriminierender Ansichten und Verhaltensweisen in der Gesellschaft bei. Aus diesem Grund hat das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit die Medienvertreter schon frühzeitig als wichtige Zielgruppe seiner Anti-Stigma-Arbeit identifiziert und 2012 ein Modellprojekt zur Förderung der Aufklärung über psychische Erkrankungen im Bereich der Medien gestartet. Mit Hilfe von wissenschaftlich fundierten Anti-Stigma-Maßnahmen sollten Medienschaffende aller Sparten für eine vorurteilsfreie und differenzierte Darstellung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sensibilisiert werden. Dazu zählten berufsspezifische Schulungen für Journalisten und Drehbuchautoren sowie ein redaktioneller Pressedienst mit aktuellen Informationen und umfassenden Dossiers. Im Rahmen der Kampagne „Fair Media – für die Menschen, gegen Ausgrenzung“ entwickelte das Aktionsbündnis als Ergebnis der Schulungen praktische Handlungsempfehlungen für Journalisten zum Umgang mit Betroffenen. Aktuell stehen vor allem die Sozialen Medien im Fokus der Aufklärungsarbeit des Bündnisses, da sich die Arbeitsweise der Journalisten immer mehr in diese Richtung verschiebt und das Internet für die Recherche und den direkten Kontakt zu den betroffenen Menschen immer wichtiger wird.

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Soziale Medien, internetbasierte Therapien und seelische Gesundheit: Aktuelle Entwicklungen

Prof. Dr. Jürgen Zielasek, Düsseldorf

Die Entwicklung der Internet-Technologien sowie der auf mobiler Kommunikation basierenden Anwendungen im Bereich sozialer Medien hat in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs erfahren. Alleine im Gesundheitsbereich gibt es mehr als 100,000 Apps. Demgegenüber steht ein Rückstand an wissenschaftlicher Evidenz hinsichtlich der Effektivität vieler Anwendungen. Auch stellt sich die Frage der Darstellung psychischer Erkrankungen in den internetbasierten sozialen Medien. Im Workshopvortrag wird dieses Themenspektrum unter den Aspekten der gegenwärtigen Angebotslage für internetbasierte Verfahren in der Versorgung psychisch Erkrankter, der Studienlage zur Wirksamkeit der angebotenen Verfahren, und der möglichen künftigen Qualitätssicherung in diesem neuen Versorgungsbereichen vorgestellt und diskutiert.

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