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Workshop 4.2: Behandlungsergebnisse - Was ist das Ziel?

Die Sicht der Angehörigen psychisch Erkrankter

Gudrun Schliebener, Herford

Die Geschichte in der Psychiatrie nach 1975 hat sich in Bezug auf Angehörigenarbeit verändert und ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Die Zustände in der Psychiatrie haben sich zum Positiven verändert. Wo man früher auf eine fehlende Einbeziehung von Angehörigen in die Behandlung und Schuldzuweisungen an Angehörige gestoßen ist, wird jetzt durch einen Dialog und/oder Trialog eine Kommunikation mit Fachpersonal und Betroffenen möglich. Allerdings gibt es heute noch Fachexperten die Angehörigen negativ gegenüberstehen, so dass ein Gespräch nicht auf Augenhöhe stattfinden kann. Dies ist aber ein großer Wunsch von Angehörigen. Es geht um einen Austausch, von den alle Seiten profitieren können. Negativ zu bewerten sind:

  • Die Verständnislosigkeit bei Profis für die Angehörigen
  • Das „Vorschieben“ der ärztlichen Schweigepflicht
  • Eine weitgehende personenzentrierte Behandlung
  • Die vielen mangelnden ambulanten Nachsorgeangebote an Kliniken. Hier fehlt es ebenfalls an Kliniken wie auch im ambulanten Bereich an der Einbeziehung der Angehörigen.
  • Die Psychoedukation für Angehörige ist bei weitem nicht überall verfügbar
  • Die Schuldzuweisungen und Stigmatisierung sind immer noch nicht überwunden

Angehörige haben die größte Last durch den psychisch erkrankten Betroffenen zu tragen. Die psychische Erkrankung betrifft das soziale Umfeld, teilweise erkranken Angehörige durch den Dauerstress des Betroffenen selbst. Dies führt zu langfristigen Problematiken unter anderem: Gefährdung der Partnerschaft, Versorgung des Kindes nach Ableben, Schwierigkeiten im Arbeitsleben etc.). Es stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Angehörigen. Zusätzliche Problematiken ergeben sich durch die Stigmatisierungen. Stigmatisierung erschwert dementsprechend die Kommunikation mit Dritten über die psychische Erkrankung, so dass es zu sozialen Vereinsamung kommen kann.

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Recovery - kritische Würdigung eines neuen Konzepts

Prof. Dr. Michael Schulz, Bielefeld

In den psychiatrischen Diensten gewinnt der personenzentrierte Recovery – Ansatz zunehmend an Bedeutung. Die bis anhin vorwiegend in angelsächsischen Ländern verbreitete Bewegung, wird mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum wahrgenommen und diskutiert .Eine einheitliche Definition von Recovery existiert nicht. Mit dem Begriff wird vielfach ein aktiver Prozess von Menschen bezeichnet, in dessen Verlauf es zu grundlegenden Veränderungen bezügliche der Lebensführung und –ausrichtung kommen kann, die darauf abzielen ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen zu können und dies nicht zwingend in Abwesenheit von Krankheitssymptomen. Der Recovery Ansatz wird als ein Merkmal guter psychiatrischer Dienste anerkannt. Im Rahmen des Vortrages wird auf zentrale Aspekte des Konzeptes eingegangen und mögliche Implikationen für die Psychiatrie in Deutschland herausgearbeitet.

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Behandlungsziele in der Forensischen Psychiatrie

Jutta Muysers, Langenfeld

Das Ziel der Behandlung im Massregelvollzug ist kurz gesagt die Reduktion der Gefährlichkeit. Dies bedeutet, dass die Behandlung nicht nur auf eine Besserung des Krankheitsbildes abzielen darf. Vielmehr müssen die delinquenzbedingenden Faktoren identifiziert und bearbeitet werden. Für die Hauptgruppen (Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Intelligenzminderungen und Suchterkrankungen) der im Massregelvollzug untergebrachten Patienten müssen unterschiedliche Schwerpunkte auf die Behandlungsinhalte gesetzt werden. Die Behandlung im Massregelvollzug dauert deutlich länger als die Behandlung in der Allgemeinpsychiatrie und beinhaltet somit in unterschiedlicher Ausprägung: Einzel und deliktspezifische Gruppentherapie, Deliktbearbeitung und Rückfallprophylaxe, Ergotherapie, Sporttherapie, Soziotherapie und medikamentöse Behandlung. Näheres dazu hören Sie im Vortrag.

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