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Workshop 1.2: Neuromodulation – State of the Art

Vorsitz: Prof. Dr. Jürgen Zielasek , Köln | Prof. Dr. Andreas J. Fallgatter, Tübingen

Elektrokonvulsionstherapie

Prof. Dr. Michael Grözinger, Aachen

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist eine sehr wirksame Behandlungsoption bei einigen schweren psychischen Erkrankungen. Sie hat in den letzten drei Jahrzehnten deutlich an Bedeutung zugenommen, nachdem sich immer mehr zeigt, dass nicht alle Patienten ausreichend auf Psychopharmaka ansprechen. Dementsprechend sind die EKT-Behandlungszahlen in Deutschland angestiegen, liegen aber international immer noch eher im unteren Bereich. In den 8 Jahrzehnten ihrer Geschichte zeigen sich lehrreiche und interessante Entwicklungen.
Therapeutisches Agens der EKT ist die mehrmalige Anwendung generalisierter Anfälle. Diese werden durch Züge von bidirektionalen rechteckigen Stromimpulsen ausgelöst, deren Pulsbreite in der Regel um 1 Millisekunde beträgt. Zum Wirkmechanismus ist seit einigen Jahren weiter bekannt, dass das Outcome der Behandlung mit Parametern des iktalen Elektroenzephalogramms (EEG) korreliert.
Die EKT hat ein breites syndromales Indikationsspektrum, sie wirkt antidepressiv, antimanisch, antipsychotisch, antikonvulsiv, antisuizidal, Stimmung-stabilisierend oder antikataton. Vorzugsweise wird sie bei schweren und therapieresistenten depressiven Erkrankungen angewendet. Aber auch therapieresistente psychotische Positivsymptome sprechen oft gut an. Die überragende Wirksamkeit bei richtiger Indikation ist ein Alleinstellungsmerkmal. Gemessen am Weiterbestehen der Grunderkrankung sind die Nebenwirkungen moderat.
Die EKT wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich modernisiert. Die wissenschaftliche Evidenz ist sehr gut. Die EKT ist mit anderen psychiatrischen Therapieverfahren gut kombinierbar, soweit einige Besonderheiten beachtet werden. Sie sollte stets im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angewendet werden. Trotz des viel beschriebenen Stigmas genießt die EKT eine zunehmende Akzeptanz im gesellschaftlichen Umfeld. Nichtsdestoweniger ist mehr Aufklärung bei Medizinstudenten und speziell bei Ärzten anderer Fachrichtungen wichtig.

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Transkranielle Magnetstimulation

Priv.-Doz. Dr. Joachim Cordes, Düsseldorf

Transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist ein Verfahren, bei dem ein Stimulator über eine Spule elektromagnetische Pulse mit einer Flussdichte von bis zu 2 Tesla induziert, welche die Schädelkalotte schmerzlos durchdringen und zu einer Depolarisierung neuronaler Zellverbände führen. Nach einer Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Hirnstimulation (Kreuzer et al. (2015) Nervenheilkunde 34(12):965-975) könne eine Empfehlung mit Evidenzgrad A für die hochfrequente rTMS-Behandlung des linken dorsolateralen präfrontalen Kortex (DLPFC) bei depressiven Störungen ausgesprochen werden. Wahrscheinlich bestehe ein additiver Effekt von rTMS des DLPFC zu einer antidepressiven Pharmakotherapie. Eine Empfehlung mit dem Evidenzgrad C könne auch der hochfrequenten rTMS des linken DLPFC bei Patienten mit schizophrener Negativsymptomatik trotz einer großen negativen Multicenterstudie sowie für die niederfrequente rTMS des linken TPC bei akustischen Halluzinationen trotz vieler Publikationen eher niedrigem Evidenzniveau ausgesprochen werden. In dem Vortrag wird die derzeitge Studienlage in den Indikationen Depression und Schizophrenie vor dem Hintergrund innovativer technischer Entwicklungen berichtet.

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Direct Current Stimulation

Prof. Dr. Andreas J. Fallgatter, Tübingen

Herr Prof. Fallgatter wird zunächst die neurophysiologischen Grundlagen und die historische Entwicklung der Methode der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) Grundlagen erläutern. Es werden aktuelle Forschungsfragestellungen mit dieser Methode der tDCS an Beispielen aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Tübingen präsentiert. Anschließend wird ein Überblick über größer angelegte klinische Forschungsprojekte mit tDCS sowie den aktuellen Stand der therapeutischen Anwendung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen dieser Methode dargestellt.

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